Ein Sommer in New York – The Visitor


Filmstart: 14.1.
Regie: Tom McCarthy;
Darsteller: Richard Jenkins, Haaz Sleiman, Danai Gurira, Hiam Abbas u.a.

Oscar-Verleihung im Februar. Nominiert als Bester Hauptdarsteller sind: Frank Langella, Sean Penn, Brad Pitt, Mickey Rourke und Richard Jenkins. Richard wer? Nun endlich kommt jener Film ins Kino, für den der 62-Jährige völlig zu Recht nominiert wurde. Jenkins spielt einen Professor namens Walter Vale. Der Witwer geht lustlos seiner Arbeit in Connecticut nach, meidet soziale Kontakte, versucht sich (vergeblich) im Klavierspiel.

Eines Tages wird er dazu verdonnert, in New York einen Vortrag zu halten und betritt wieder mal sein dortiges Apartment. Doch huch: Hier wohnt jemand! Walter trifft überraschend auf ein junges Pärchen, den Syrer Tarek (Haaz Sleiman) und die Senegalesin Zainab (Danai Gurira). Widerwillig lässt er die beiden weiterhin hier übernachten, damit sie nicht auf der Straße sitzen. Und schon bald freundet er sich besonders mit Tarek an. Der ist ein professioneller Djembe-Trommler. Und Walter findet Interesse an der Trommlerei, lässt sich von Tarek einige Kniffe beibringen, während Zainab wie immer ihren Schmuck auf New Yorks Straßen verkauft. Doch dann geschieht das Unglück: Bei einer U-Bahn-Kontrolle wird Tarek festgenommen. Es stellt sich heraus: Er hält sich wie Zainab illegal in den Staaten auf und landet in Abschiebehaft. Walter setzt fortan alle Mittel in Bewegung, um Tarek zu helfen. Richtig intensiv wird das ganze Kuddelmuddel, als plötzlich auch noch Tareks Mutter (die großartige Hiam Abbas) in der Tür steht.

Wie schon in seiner ersten Regiearbeit, dem Geniestreich „Station Agent", lässt Autor und Regisseur Tom McCarthy einen Einzelgänger unfreiwillig auf Menschen stoßen, die sein Leben komplett umkrempeln. Und das ist nicht nur glänzend inszeniert und hervorragend gespielt – Richard Jenkins ist in seinem minimalistischen Spiel phänomenal –, sondern hat zudem eine richtig gute Geschichte mit einem ernsten Hintergrund. Und trotz der Konflikte hat dies hier nichts von einem anstrengenden Problemfilm. „The Visitor" – vergessen wir den doofen deutschen Titel – ist Kino mit viel Köpfchen und noch mehr Herz. Das Kinojahr 2010 fängt prima an. Den Oscar gewann übrigens Sean Penn.

Martin Schwarz

Stand: 30.12.2009

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